23. April 2022

5 Schritte, wenn Skills für dich nicht funktionieren

Vor einem Ausschnitt eines Blumenstraußes steht "Skills funktionieren nicht? 5 Schritte, die dir helfen können"

Ich höre so oft von Betroffenen, die irgendwie schon mal Kontakt mit DBT hatten: „Skills funktionieren für mich nicht“. Meiner Erfahrung nach hat das weniger damit zu tun, dass DBT nicht funktioniert, sondern dass die Strategien der DBT nicht richtig angewendet werden (die deutlich mehr umfassen als das, was landläufig unter „Skills“ verstanden wird: Igelball, Finalgon-Verbände, Eiswürfel etc).

Bevor du jetzt den Igelball oder das DBT-Manual in die Ecke pfefferst und dich selbst aufgibst, versuch doch mal die folgenden Schritte:

1. Benutzt du eine Skillskette? Du brauchst mehrere aneinandergereihte Skills für unterschiedliche Anspannungsbereiche, die quasi deine Anspannung beim Sinken begleiten. Und zwar bis in den Bereich deutlich unter der magischen 70%-Hochspannungs-Marke!

2. Wenn du eine hast, überprüf‘ deine Skillskette nochmal: Passen die enthaltenen Skills für den jeweiligen Anspannungsbereich (Streßtoleranzskills z.B. helfen im Bereich unter 70% nicht mehr, dafür sind sie auch nicht gedacht)? Nutzen sie Zugangskanäle (Sinne), die im jeweiligen Anspannungsbereich noch offen sind (wenn du bei über 70% Anspannung nicht mehr klar denken kannst, wird ein Kreuzworträtsel dir wenig helfen).

3. Nutzt du die #Was und #Wie-Fertigkeiten? #Was: Wahrnehmen, Beschreiben, Teilhaben. #Wie: Annehmend, konzentriert, wirkungsvoll. Besonders die #Wie-Fertigkeiten sind total wichtig, damit ein Skill funktionieren kann. Wenn du mit deinem Igelball auf deinem Arm rumrollst, dich dabei aber die ganze Zeit beschimpfst oder denkst: „Das wird eh nicht funktionieren.“, dann wird es vermutlich auch nicht funktionieren.

Deshalb: Überprüf deine innere Einstellung zur Nutzung von Skills: Bist du genervt, bewertest du („Ist total doof“, „Ich sollte das eigentlich so können“ etc), bist du ambivalent und willst eigentlich gar keine Skills benutzen? Dann funktionieren sie in der Regel auch nicht. Entscheide dich: Willst du, dass dein Leben sich verändert (Entscheidung für einen neuen Weg)? Bist du bereit, die damit verbundene Anstrengung auf dich zu nehmen, selbst wenn dein Kopf schreit, dass es nie funktionieren wird?
Jetzt grade ist dein Leben so, wie es ist, weil sehr viele Ereignisse und Entscheidungen in deiner Vergangenheit dich hierher geführt haben. Es ist die Realität, und erst wenn du sie annimmst, kannst du für die Zukunft andere Entscheidungen treffen, die dein Leben besser machen werden.

4. Sobald die Anspannung unter 70% gesunken ist, brauchst du Skills für den Umgang mit Gefühlen (z.B. das Gefühlsprotokoll VEIN-AHA, Fakten überprüfen oder „Vorsicht, Falle!“). Das funktioniert im Prinzip immer so: Du fragst dich: Welches Gefühl habe ich gerade? (Alleine zu lernen, Gefühle zu erkennen und zu benennen, kann schon eine Weile dauern.) Welchen Gedanken habe ich? Welchen Handlungsimpuls habe ich?

5. Dann gilt es zu überprüfen, ob das Gefühl und die aktuelle Situation zusammenpassen (der AHA-Teil von VEIN-AHA) oder ob du z.B. in ein altes Erleben gerutscht bist oder die Situation falsch interpretiert hat (hat der Kollege dich wirklich nicht gegrüßt, weil er dich hasst und möchte, dass du tot bist??) Wenn du das klar hast, kannst du entscheiden, ob du das Gefühl abschwächen oder dem Handlungsimpuls freien Lauf lassen willst. Ganz wichtig: Das lernt man nicht an einem Tag, und es lernt sich deutlich leichter mit Unterstützung von jemand, der sich mit DBT auskennt!

Wenn du möchtest, gehe ich ein Stück des Weges mit dir.

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© Natalie Kiehl 2022