28. Februar 2022

Ohne Haut

Eine Textkachel mit einem Zitat von Marsha Linehan: "Borderline-Persönlichkeiten sind das psychologische Äquivalent zu Patienten mit Verbrennungen dritten Grades. Sie haben sozusagen keine emotionale Haut. Selbst die leichteste Berührung kann enormes Leid auslösen."

Ich finde, dieses Zitat beschreibt so eindrücklich, wie sich Borderline anfühlt. (Marsha Linehan, die die DBT entwickelt hat, war als junge Frau selbst über zwei Jahre wegen Suizidalität und Selbstverletzung in der Psychiatrie).


Und es macht so deutlich, warum ein Leben mit einer unbehandelten Borderline-Störung so schwierig und so unglaublich schmerzhaft ist. Wenn schon die kleinste Zurückweisung oder Kritik (ob real oder eingebildet, egal ob von jemand anderem oder vom eigenen inneren Kritiker) einen Menschen in eine tiefe Krise werfen kann, dann ist es kaum möglich, ein “normales”, geordnetes Leben zu führen.
Und weil die eigenen Gefühle so schmerzhaft sind, entsteht natürlich das starke Bedürfnis, diesem Schmerz irgendwie zu entkommen. Deshalb nutzen viele Betroffene Strategien, die den Schmerz im ersten Moment irgendwie lindern sollen (Selbstverletzung, Alkohol oder Drogen, enge Beziehungen vermeiden etc etc), langfristig aber nur noch mehr Probleme verursachen (Narben, Konflikte mit anderen, Jobverlust etc etc).

Die gute Nachricht ist: Es ist möglich, sich eine neue, dickere Haut zu erarbeiten. Zu lernen, die unangenehmen Gefühle auszuhalten und andere Strategien zu benutzen, die nicht so viel Schaden anrichten. Und dadurch verändert sich das gesamte Leben zum Positiven.

Womit kämpft ihr gerade am meisten in eurem Alltag mit Borderline?

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© Natalie Kiehl 2022